Es gibt Worte, die beschäftigen mein Denken. Heute ist es das Wort brauchen. Etwas zu brauchen bedeutet, dass mir etwas fehlt. Als Wesen, das sich ausgeglichen fühlen möchte, versuche ich das Fehlende zu besorgen. Sofern ich es zu finden vermag. Andernfalls fülle ich die Lücke mit einer Entsprechung, etwas gänzlich anderem oder hole mir das Fehlende notfalls mit Gewalt.

Das gilt auch für die Liebe, von der so viel die Rede ist. Fehlt im Inneren die Selbstliebe, suche ich im Außen. Manche klammern sich an geliebte Menschen, andere füllen die Lücke mit Materiellem als Ersatz, und sehr Verzweifelte versuchen die Liebe des anderen gar zu erzwingen.

Dann gibt es diejenigen, die meinen, von Liebe überzuquellen. Wohin damit? Was sie dazu treibt nach jenen die suchen, die Liebe brauchen. Was, wenn ich gar nicht will, dass mir jemand etwas schenkt? Das, was ich brauche, möchte ich auf keinen Fall zwangsweise verabreicht bekommen.

Jeder hat das Recht so lange im Dunkel zu wandeln wie er möchte. Draußen, im hellen Licht, kann es nämlich ganz schön gruselig sein. Da kommt zum Vorschein, vor dem ich lieber die Augen verschließe, weil das der einfachere Weg ist. Seine Lücken zu erkennen, sie mit Selbstliebe und Zuversicht zu füllen, bedarf der Auseinandersetzung mit dem tiefsten Inneren. Mühselige Angelegenheit, die Selbstheilung. Dazu bereit zu sein, ist der erste Schritt. Die Hände vom Dunkel ins Licht zu strecken und Unterstützung anzunehmen, der zweite. Es gibt viele Lichtkrieger da draußen, die helfend den Arm reichen.

Geben und Nehmen bedeutet Feingefühl. Ich gebe, was mein Gegenüber gern bereit ist anzunehmen. Ich nehme, was der andere mit Zartgefühl anbietet ohne aufdringlich zu sein. Ein Austausch auf Augenhöhe, statt von oben herab. 

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